News: Hätte, hätte, Fahrradkette

Taken from the  Süddeutsche Zeitung, 22 September 2015

Eine absurd anmutende Justizgeschichte voller Konjunktive beschäftigt derzeit Österreich. Es geht um die Rückgabe von zur Nazizeit enteignetem Besitz – und darum, wer hier eigentlich das Opfer ist.

Cathrin Kahlweit

Am 26. September müsste Stephan Templ seine Haftstrafe in Wien antreten, und weil das ein Samstag ist, wird wohl Montag daraus werden. Aber das ändert nicht mehr viel. Aus den drei Jahren Haft, zu denen ihn das Landesgericht für Strafsachen 2013 wegen schweren Betrugs verurteilt hatte, ist mittlerweile eines geworden: Die nächsthöhere Instanz, das Oberlandesgericht, das Templ in seiner Fassungslosigkeit angerufen hatte, stellte fest, dass Templ, jüdischer Autor und Journalist, gebürtig in Wien, zeitweilig wohnhaft in Prag, einen “hohen Schaden” angerichtet habe. Aber wegen seines “ordentlichen Lebenswandels” wurde ihm ein Teil der Strafe erlassen.

Mindestens ein halbes Jahr werde er wohl absitzen müssen, sagt Templ, ein kleiner Mann mit wirrem Haar und großer Brille, “danach eine Fußfessel vielleicht? Oder eine Kopffessel oder eine Gehirnfessel?” Er dürfe gar nicht über all das nachdenken, wütet er, “sonst werde ich verrückt”.

Kurz vor Haftantritt gibt der 54-Jährige noch eine Pressekonferenz; angereist ist dafür sein neuer Rechtsanwalt, der berühmte Robert Amsterdam, der schon den russischen Oligarchen Michail Chodorkowskij verteidigt hatte. Er soll noch einmal Schwung in eine Causa bringen, die tatsächlich in der Rechtsgeschichte der Restitution, der Rückgabe von enteignetem Besitz aus der Nazizeit, ihresgleichen sucht: Templ wurde verurteilt, weil er im Namen seiner Mutter einen Restitutionsantrag für ein Haus, das ehemalige Sanatorium Fürth im achten Bezirk in Wien, gestellt hatte.

Continue reading News: Hätte, hätte, Fahrradkette

News: Betrug an Republik – Publizist strebt Wiederaufnahme von Verfahren an

Taken from APA-de Facto, 22 September 2015

Betrug an Republik – Publizist strebt Wiederaufnahme von Verfahren an

Utl.: Wenige Tage vor Antritt der Strafe – Rechtsstreit um Restitution von Liegenschaft in Wien

Wien (APA) – Der in Zusammenhang mit einem Restitutionsantrag wegen schweren Betrugs an der Republik Österreich verurteilte Publizist Stephan Templ strebt eine Wiederaufnahme seines Verfahrens an. Ein diesbezüglicher Antrag werde heute, Dienstag, eingebracht. Das sagten Anwälte des Journalisten bei einer Pressekonferenz in Wien.

Templ war 2013 in erster Instanz zu drei Jahren Haft verurteilt worden, das Oberlandesgericht Wien als Berufungsinstanz setzte das Strafmaß im Juni 2014 auf ein Jahr unbedingter Freiheitsstrafe herab, der Rest wurde bedingt nachgesehen. Eine Nichtigkeitsbeschwerde wurde zurückgewiesen. Templ müsse die Strafe in vier Tagen antreten, sagte der Londoner Anwalt Robert Amsterdam, der das Mandat nach eigenen Angaben unentgeltlich übernommen hat.

Continue reading News: Betrug an Republik – Publizist strebt Wiederaufnahme von Verfahren an

News: Erbschaftskrimi endet für Autor mit Haftantritt

Taken from Kurier, 19 September 2015. Convenience Summary Translation:

“Inheritance Crime Novel” ends with imprisonment for Prague-based journalist and notary being investigated by the prosecutor

On Monday Stephan Templ has to go to prison; it is an absurd crime story about inheritance which has led to criticism of Austria worldwide. Templ is going to prison for fraud but it is unclear who was damaged.

….

A Viennese notary searched for the dispersed heirs for a fee of one third of the sum awarded in the end. Some  heirs he omitted and he notarised that a lineage had become extinct, even though he had been advised by a Berlin court that there were in fact legal successors.

Among the unnamed heirs were Templ’s mother and her sister. Templ found out about the restitution and applied on his own – without relying on the highly priced services of the notary – on behalf of his mum and received an entitlement of EUR 1.1 million. The existence of his aunt – with whom they are in a dispute – was omitted from the form. This may be morally reproachable. But Templ maintains that restitution is an act of mercy, not a right, and he therefore has no responsibility to do anything for other heirs. Speaking of mercy: a request for clemency for Templ has been rejected by the President.

Four years after expiry of the application deadline the notary advised the aunt that she would have been entitled. She reported her nephew to the police (and claimed her share in the property), Templ was convicted for fraud.

But: The aunt was never named as the damaged party by the criminal court. According to the verdict, the Republic was damaged. The Finanzprokuratur (the Attorney General) announced that  the Republic did not suffer any damage.

Belatedly, the notary is now being scrutinised by the prosecutor, but this cannot save Templ.

Erbschaftskrimi endet für Autor mit Haftantritt